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DISSERTAZIONI DI DOTTORATO
2019-2020

WEYRINGER Simon An der Schwelle zum Land der Verheißung. Rhetorik und Pragmatik in Dtn 9,1–10,11
Mod.: Prof. R.P. Dominik MARKL

In Dtn 9,1-10,11 (Dtn 9f.). ermutigt Mose zur Landnahme (9,1-3), warnt vor der Falschinterpretation des Erfolgs (9,4-6), um sich dann ausführlich einer doppelgesichtigen Rebellions- und Rettungsgeschichte zuzuwenden (9,7-10,11). Diese Studie untersucht die komplexen rhetorischen Beziehungen zwischen Paränese zur Landnahme und Geschichtsrückblick, was sich als Frage nach der rhetorischen Dynamik in Dtn 9f. zusammenfassen lässt. In der Unterscheidung von textinterner und textexterner Kommunikation fragt die Studie in einem ersten Schritt, was Mose innerhalb der Welt des Textes mit rhetorischen Mitteln der Moabgeneration vermittelt (Rhetorik), in einem zweiten Schritt, welche Rezeptionsprozesse Autoren über die Figurenrede Moses und die Erzählstimme in 10,6-9 bei ihren Adressaten anstoßen wollten (Pragmatik).

N. Lohfink und G. Braulik haben mit dem „Schema der Beweisführung“ einen grundlegenden Aspekt der rhetorischen Dynamik in Dtn 9f. benannt, wonach der Geschichtsrückblick als Beweis- oder Erkenntnisgrundlage für Moses Warnung vor der falschen Selbstzuschreibung in 9,4-6 dient. Diese Studie betont ergänzend, dass auch Moses Ermutigung zur Landnahme in 9,1-3 rhetorisch mit dem Geschichtsrückblick verknüpft ist. Der Geschichtsrückblick dient nicht nur der Selbsterkenntnis in 9,6, sondern ebenso der in 9,3 eingeforderten Gotteserkenntnis. Die beschämende Rebellionsgeschichte soll zu reinigender Selbsterkenntnis anleiten, die Rettungs- und Erneuerungsgeschichte Vertrauen auf Gott und seine Verheißungen wecken.

Als innerer Leitfaden durchzieht Dtn 9f. eine Dynamik der Überwindung, die sich generationenübergreifend über die Stationen Horeb, Kadesch-Barnea und Moab entwickelt. Am Horeb wurde der Beziehungskonflikt zwischen Jhwh und seinem Volk überwunden. Im Blick auf die weitere Geschichte zeigt sich jedoch, dass dies nur einseitig von Gott ausgegangen ist. Während Gott seinen Zorn überwunden hat, blieb Israel rebellisch, sodass die Horebgeneration die von Gott zugesagte Zukunft im Land der Verheißung verspielte. Nun soll die Moabgeneration die rebellische Haltung der Vergangenheit überwinden, indem sie im Vertrauen auf Gott den Jordan zur Landnahme überquert und sich über die Zustimmung zum Moabbund mit ganzem Herzen dem Gott zuwendet, der sich Israel am Horeb erneut zugewandt hat. Vermittelnder Angelpunkt dieser Dynamik ist Moses. Hatte Gott am Horeb auf ihn gehört (9,19; 10,10), so soll nun Israel auf ihn hören (9,1).

Die in Dtn 9f. entwickelte rhetorische Dynamik lässt auf eine textexterne Kommunikationssituation im Übergang vom Exil zur Heimkehr schließen. Autoren blicken auf Israels und Judas Sündengeschichte vor dem Exil bis zur Zerstörung Jerusalems und des Tempels, symbolisch dargestellt in der Zerstörung der Tafeln (vgl. E. Otto), zurück. Sie interpretieren die Überwindung des göttlichen Zornes im Exil als unverdiente Rettung, die sich Moses Einsatz und Gottes Barmherzigkeit verdankt. Über das Motiv der erneuerten Tafeln versichern sie den Adressaten die erneute Zuwendung Gottes. Andererseits bleiben die erneuerten Tafeln ein Hoffnungsbild für eine umfassende Erneuerung, indem sie und die Lade zeichenhaft auf Heimkehr und Tempelerneuerung vorausweisen, während der Klerus mit seinen Diensten für die Kontinuität der geretteten Gottesbeziehung steht. Dies vor Augen, sollen die Adressaten im Vertrauen auf Gott entgegen aller Ängste und Unsicherheiten die Heimkehr antreten, das Gelingen aber nicht ihren eigenen Verdiensten zuschreiben, um nicht jener Dynamik des Unheils zu verfallen, an deren Ende wieder Bundesbruch und Landverlust stünden.

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